Rheinische Post / 10.3.2007
Singen? Singen! / von Regine Müller
Manfred Hill, Vorsitzender des Städtischen Musikvereins, hatte vor Monaten eine geniale Idee für ein Grundschulprojekt. Er nannte es „SingPause“ — und die ersten Ergebnisse sind großartig. Fünf Grundschulen machen bereits mit, und die Stadt fördert das Unternehmen mit Weitsicht.
Zum Singen gehört Gymnastik: 4. Klasse der Brehm-Schule. Gewiss, Deutschland sucht derzeit mal wieder den Superstar unter den singenden Teenies. Doch um den Sängernachwuchs steht es hierzulande erklärtermaßen schlecht. Es wird kaum noch gesungen, Musikunterricht in den Schulen ist Mangelware und zuhause ist musikalisch in Sachen Singen Konsum angesagt statt Kanon.
Eine zu vernachlässigende Randerscheinung des Bildungsnotstandes? Manfred Hill, Vorsitzender des Düsseldorfer Musikvereins, sieht das anders: Nicht allein die Nachwuchsfrage des eigenen Chors drängte ihm vor geraumer Zeit den dringenden Bedarf nach musikalische Basisarbeit auf. Singen sollte lustvoller und spielerischer Bestandteil des Lehrplans der Grundschule werden, ohne Leistungsdruck und Drill. Die Idee der „SingPause“ war geboren.
Rasch fanden sich Mitstreiter. Das Kulturamt der Landeshauptstadt, die Kantorenkonvente, der Sängerkreis Düsseldorf, die Tonhalle und die Clara-Schumann-Musikschule entwickelten den Plan und konnten fünf spontan interessierten Grundschulen den Zuschlag dieser besonderen Förderung geben.
Die nahezu abgeschlossene Pilotphase begann im vergangenen Oktober, in der Brehm-Schule war nun Gelegenheit, die zwanzigminütige „SingPause“ einer vierten Klasse zu besuchen.
Begrüßung der tuschelnden Meute
Chorerzieherin Karolina Rüegg – die vom Projekt gestellt wird – begrüßt die tuschelnde Meute schon gleich im gesungenen Parlando, die Kids antworten im Chor, dann auf Fingerzeig auch einzeln: „Guten Morgen, Frau Rüegg“ singen sie. Keiner hat Angst, keiner kichert, auch wenn hier und da ein Brummer sich hören lässt. Weiter geht's mit Stimmübungen, der ganze Körper soll mitmachen. Dann werden Tonfolgen geübt, „Do-re-mi-fa-sol“ – eine Quinte beherrschen sie schon, rauf und runter. Dann Lieder, Rhythmen, immer im Wechsel.
Es kommt keine Langeweile auf. „Ohne Spaß hat das Singen ja auch keinen Sinn“ gibt ein kleiner Mann ernsthaft zu Protokoll. Ja, Spaß macht es allen, und: „Man hat danach einfach gute Laune!“
Spaß beiseite — die pädagogischen Nebenwirkungen dieser zweimal wöchentlich absolvierten Singpausen sind immens: Konzentration und soziale Fähigkeiten werden trainiert, die Kinder lernen, sich emotional zu öffnen und stärken ihr Selbstbewusstsein. Und nicht zuletzt wird Sprech- und Stimmstörungen vorgebeugt.
Großer Erfolg
Insgesamt 1200 Schüler singen jetzt schon im Projekt „SingPause“, es wird weitergeführt und womöglich noch aufgestockt. Mit 30 000 Euro fördert die Stadt 2007 das einzigartige Projekt, und laut Kulturdezernent Hans-Georg Lohe, der sich begeistert über das Projekt zeigte, wird über eine Erweiterung bereits nachgedacht.