NRZ / 12.1.2009

Tausende Kinder sollen singen / Petra Kuiper

Sponsoren retten ein Schulprojekt von großer Bedeutung: die „SingPause“. Der Bedarf ist gewaltig.

Für Manfred Hill, den Vorsitzenden des städtischen Musikvereins, war es doch noch ein schönes Fest. Dabei konnte er es erst kaum glauben, als ihm der Kultur-dezernent Ende Oktober den Stand der Dinge mitteilte: Doch kein höherer Zuschuss für die „SingPause“, alle freiwilligen Zuwendungen für Kulturprojekte werden eingefroren. Hill war fassungslos. „Eine Rasenmähernummer. Das hat uns tief getroffen.“ Vor zwei Jahren gestartet, hatte sich die Singpause als alternativer Musikunterricht flott als Selbstläufer erwiesen. Heute liegen Erfolge auf der Hand, machen neun Grundschulen mit 2300 Kindern mit ab 2009 meldeten sich 23 neu an, das sind noch mal 4900 kleine Leute. Und Hill sah sich einem fast doppelt so hohen Bedarf gegenüber - den er nun nicht mehr finanzieren konnte. Er setzte alle Hebel in Bewegung, schrieb Politik und Verwaltung. Vorab: Die Sache ging gut aus. Privatleute halfen. Nun ist die Singpause zumindest für das erste Halbjahr 2009 gerettet. „Wir mussten keine Schule abweisen“, sagt Hill. Noch nicht.

Kein Ersatz für Musikunterricht
Hill will niemandem den Schwarzen Peter zuschieben. Das ist nicht seine Art und überhaupt: die Finanzkrise. „Die Stadt verhält sich im Rahmen der Gesamtsituation wie ein ordentlicher Kaufmann“, sagt er. Damals, 2006, wurde der Start der Singpause als Erfolg gefeiert. Von einem Ersatz für den Musikunterricht mag Hill zwar nicht sprechen, obwohl er, Vater von drei Jungs, erlebt hat, wie der in der Grundschule abläuft. „Da sagt man einem Lehrer: Du machst jetzt Musik.“ Für Hill ein Unding. „Das ist letzten Endes der Grund, weshalb wir in den Konzertsälen die mittlere Generation verloren haben.“ Hier setzt die Singpause an: Zurzeit sind 28 Sänger, alles Hochschulabsolventen, dabei.

Sie gehen zweimal pro Woche in eine Schule und unterrichten jede Klasse kostenlos 20 Minuten. Binnen kurzem können alle Kinder Noten vom Blatt singen und haben ein Repertoire von 150 Liedern von ghanaisch bis türkisch. Am Ende steht ein Auftritt in der Tonhalle. Das stärkt das Selbstbewusstsein. „Inzwischen“, sagt Hill, „sind wir die größte Singbewegung für Kinder innerhalb Europas.“ Die Vorteile: Alle
Schüler erhalten eine musikalische Grundausbildung. Lehrer beobachten eine bessere Stimmung nach der Singpause. Und gerade in Schulen mit einem hohen Ausländeranteil wirken die Stunden integrativ. Hill: „Nichts ist so verbindend, wie Musik und Sport.“

Signal für mehr Unterstützung
Mit 90 000 Euro unterstützt die Stadt den Musikverein bei Organisation und Durchführung der Stunden, 200 000 Euro hat Hill für 2009 zusätzlich
beantragt. Keine Chance. Im November lehnte die Politik ab. Und Hill stand vor der Alternative: Entweder Schulen absagen oder ausgebildete Lehrer im Regen stehen lassen. Dabei fand noch im April in der Tonhalle eine Werbekampagne statt. 1800 Kinder luden zum Konzert, zuvor wurde die Singpause vorgestellt. 44 Schulleiter kamen, 35 wollten gleich mitmachen. Der Musikverein warb daraufhin Sänger an, organisierte Aus- und Fortbildungen nach der favorisierten Ward-Methode. Im Oktober fanden erste Kurse statt. „Da war von 'Finanzkrise' noch keine Rede“: wundert sich Hill. „Und als kurze Zeit später die Absage kam, waren wir dann doch erschüttert.“ Er suchte und fand Unterstützer, „unsere Rettung“: Der Tonhallen-Freundeskreis hilft mit 30000 Euro, Bürgerstiftung und Udo-van-Meeteren-Stiftung mit jeweils 10 000 Euro.

Hill selbst schusterte 6000 Euro zu. 2010 hat ihm die Politik mehr Geld in Aussicht gestellt, 2012 hofft er, am Programm „Kultur und Schule“ teilnehmen zu können - dann herrschen andere Bedingungen. 1250 Euro kostet eine Singpause pro Klasse im Jahr, Mittel für Honorare und etwas Material. Unterdessen signalisierten Politik und Verwaltung doch die Bereitschaft zu mehr Unterstützung. „Wir prüfen alle Möglichkeiten“, heißt es aus dem Kulturamt. Gespräche sollen bereits in den nächsten Tagen folgen. Info (auch über Spendenkonten): Tel. 02103 944815 und Mobil 0172 2104779, www.musikverein-duesseldorf.de

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