WZ / 28.3.2007

Singen für die Konzentration / Von Anne Wolf
Rund 1200 Schüler trafen sich zum gemeinsamen Singen in der Tonhalle.

Martin Ciesinski (9) und Kevin Ochudlo (8) sind aufgeregt. „Ich glaube, ich habe einen Frosch im Hals“, krächzt Martin. Freund Kevin klopft ihm aufmunternd auf den Rücken. Die beiden Schüler der Grundschule An den Eichen haben keine Zeit, sich zu fürchten. Es geht los. Vorsichtig deutet Frank Schulz vorn Theater Kontra-Punkt mit beiden Armen in die Höhe. Ein Höllenlärm bricht los. Auch Martin und Ke­vin brüllen — so laut sie können — mit. Dann das Zeichen. Frank Schulz lässt die Arme sinken und ein leichtes melodisches Summen erfüllt den Zuschauerraum der Tonhalle.

Ein halbes Jahr haben die Düs­seldorfer Grundschüler für ihren Auftritt geübt. Zweimal wöchent­lich trainierten sie beim Pilotpro­jekt „SingPause“ Stimme und musikalisches Gehör. Die Sing­pause soll nicht zuletzt für musi­kalischen Nachwuchs sorgen. „Viele Musiklehrer sind heute schlecht ausgebildet. Wenn in der Stunde gesungen wird, dann meist vom Band, sagt Koordina­torin Marieddy Rosseto. Zusätzlicher Unterricht sei darum bitter nötig. „Durch Gesangsunterricht lernen die Kinder, wieder zuzu­hören“, ist sich Rossetto sicher. Je früher die Kinder zur Musik kä­men, desto größer sei der Lernef­fekt. „Das ist wie Schreiben oder Lesen lernen.“

Das glaubt auch Klassenlehre­rin Kirsten König: „Den Kindern macht der Gesangsunterricht Spaß und sie können sich besser konzentrieren.“ Zudem stärke das 20-minütige Singen im Klas­senraum das Selbstbewusstsein der Schüler. „Die stellen sich ganz alleine vor die Klasse, um den Mitschülern etwas vorzutragen“, erzählt König. Auch Martin und Kevin haben ihre Zurückhaltung bald hinter sich gelassen. Und beim Lieblingslied „Kleiner Was­sertropfen“ ist der Frosch im Hals endgültig verschwunden.

SINGPAUSE PROJEKT: Die „SingPause“ wurde vom Städtischen Musikverein Düsseldorf konzipiert. Geplant ist, das Angebot für alle Düsseldorfer Grundschulen auszubauen.

UNTERSTÜTZUNG: Finanziert hat das Pilotprojekt der Düsseldorfer Kulturausschuss. Bis Ende des Jah­res ist die Weiterführung sicher.

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